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“Geheimnis des Teufelsberg”, Taschenbuch für € 11,80

Leseprobe:
Es war im späten Mittelalter in einer sehr abgelegenen Gegend voll bizarrer Berge und sanfteren Tälern, da ging in dem kleinen Ort der Grafschaft Königsruh ein Gerücht um, dass die Berge jenseits des wilden Flusses, der unter den Felsen seinen Weg sucht, vom Teufel verhext seien und er dort sein Unwesen triebe.
 
Junge Frauen aus dem nächstgelegenen Dorf Mundenbach, die in dieser abgelegenen Region immer die feinsten Pilze sammelten, waren ihm begegnet, hatten vor Schreck ihre Körbe fallen lassen und waren in Panik bergab geflüchtet. Sie beschrieben den Teufel als wilden Gesellen in alten Lumpen gekleidet, mit langen zerzausten Haaren und Bart, und Hörnern, die durch die Haare ragten. Er sass auf einem Baumstumpf und fuchtelte mit einem langen Stock und schrie den Frauen unverständliche Worte nach und lachte abscheulich. Seit dieser Begegnung trauten sich die Frauen nicht mehr in die Nähe des Teufelsberges. Die Männer aus Mundenbach glaubten nicht so recht daran, aber ganz wohl war ihnen auch nicht, da schon mehrere seltsame Schatten gesehen haben wollten, wenn sie am Holz schlagen waren. Sie sprachen mit dem Verwalter des Gutshofes Königsruh, der aber nur ein Märchen darin sah, womit die Bauern von einem Wilderer ihres Dorfes ihn ablenken wollten. Soviel die Bauern beteuerten, darüber nichts zu wissen, um so wütender drohte der Verwalter den Bauern. Da dieser als cholerisch bekannt war und schon einige Bauern und Knechte ohne Grund auspeitschen liess, trauten sich nun die Bauern nicht mehr zum Gutshof und mieden den Verwalter und seine Gesellen, wenn diese durch den Wald zur Jagd ritten.

Eines Tages ritt der Verwalter mit mehreren Jägern, Jagdgesellen, Knechten und Hunden wieder an Mundenbach vorbei. Er sah den Dorfschulte und lachte dem entgegen: ”Heut wird es eine gute Jagd, das spüre ich, haltet eure Leute bereit zum Zerlegen des Wildes. Wenn ihr das Horn dreimal hört, kommt uns entgegen. Und wenn wir eurem Teufel begegnen, dann bringen wir ihn euch mit.” Der Dorfschulte erschrak und zuckte zusammen. Oh Gott, ob das heut gut geht, dachte er. Zum Gutsverwalter nickte er zustimmend, um ja keinen Ärger zu erzeugen und wünschte Waidmannsheil. So blickte er den Jägern nach, die auf ihren prächtigen Rössern zielgerade in Richtung Teufelsberg ritten.
Der Gutsverwalter war guter Dinge und wollte besonders schönes Wild vor dem Winter erlegen und vor allem schöne Geweihe mit nach Hause bringen. Er hatte dem Sohn seines Königs ein Prachtgeweih versprochen und dies musste er nun bald einlösen. Er hatte die drei besten Jäger der Grafschaft mit deren Gesinde dabei. Am Fusse des noch namenlosen Berges, den die Bauern Teufelsberg nannten, wurde vom Gesinde das Lager für zwei Tage eingerichtet, während er mit den drei Jägern und zwei Knechten mit vier Spürhunden bergan ritt.

Nach etwa einer Stunde durch den dichten Wald auf einer frischen Wildfährte, erreichten sie eine Lichtung am Bergkamm, von wo es einen wunderbaren Blick hinab zu einem nahen kleinen Bergsee gab, der von einem Bach gespeist wurde. Der eine Jäger, der früher schon mal in dieser Gegend jagte, wusste, das der Bach ganz da oben entsprang und zeigte mit dem Finger zur Bergspitze, die waldlos als riesiger Fels über der Baumgrenze imposant wirkte. Der Gutsverwalter fragte, was diese Löcher im Fels denn seien. Der Jäger meinte, es seien Höhlen, in denen Adler und andere Vögel nisteten. Aber so pockennarbig wie der Fels da aussah, glaubten die Menschen im Dorf wohl, das sei der Teufel leibhaftig. Alle lachten über die einfältigen Bauern und wurden ebenso plötzlich still, als sich am See etwas bewegte. Nach und nach traten zwei Rehe und ein kapitaler Hirsch ans Wasser, vorsichtig nach allen Seiten witternd, ob die Luft rein sei von Gefahr.

Zum Schuss waren die Jäger noch zu weit entfernt und warteten prüfend ab. Der Wind stand günstig und die Hunde könnten das Wild vom schützenden Wald fernhalten und näher zum Schilf am See treiben, in die Schussweite der Jäger. Gebannt schauten der Gutsverwalter und die Jäger zum See hinab, den richtigen Zeitpunkt abwartend.
Plötzlich fiel ein Schuss und ein Reh machte noch einen Satz zur Seite und fiel zappelnd um. Der Hirsch und das andere Reh flüchteten schlagartig in den Wald.

Aus einer Lichtung unterhalb des Abhangs, auf dem die Jäger lauerten, sprang eine wilde Gestalt und war schnell bei dem Reh und schulterte es. Der Gutsverwalter sprang auf: ”Nun haben wir dich, du Sauhund von Wilderer, bleib stehen oder ich knall dich ab, du räudiger Hund.” Die wilde Gestalt drehte sich kurz um und er sah einen Kopf mit langem, wild zerzaustem Haar, so wie ihn die Frauen der Bauern beschrieben hatten. Doch dies dauerte nur Sekunden und schon flüchtete der wilde Gesell mit Reh in den Wald. Die Schüsse des Gutsverwalters und der Jäger aus deren Vorderladergewehren, bei denen noch mit Feuerstein gezündet wurde, verfehlten das Ziel. ”Hinterher”, brüllte der Gutsverwalter und liess die Hunde frei, welche sofort den Abhang hinab zum See rannten, die berittenen Jäger hinterher.
Die Hunde hatten bald die Spur und sausten in den Wald hinein, während die Jäger etwas langsamer sich einen Weg suchen mussten, auf dem sie den Hunden folgen konnten. Am Bellen erkannten sie, dass die Hunde den Flüchtenden gestellt hatten und wollten schnell dort sein; zwei Schüsse und ein fürchterliches Gejaule liessen Schlimmes erahnen. Auf dem Weg dorthin kamen ihnen zwei verstörte Spürhunde entgegen, die sie nur mühsam beruhigen und an die Leine legen konnten. Am Tatort angekommen lagen dort das Reh und zwei schwerverletzte Hunde, die sie nur noch von ihren Leiden erlösen konnten. ”Das Schwein lassen wir nicht entkommen, den finden wir.” Die Knechte wurden angewiesen, das Reh aufzuladen und zum Lager zurück zu reiten. Die Jäger gingen nun zu Fuss mit den Hunden und folgten der Spur, während der Gutsverwalter, hoch zu Ross, das gerade neu mit Schiesspulver und Kugeln geladene Gewehr schussbereit hielt.
 

Website aktualisiert: 16.11.2016